Kriegskinder & Kriegsenkel & Kriegswaisen & Kriegsflüchtlinge

 

Immer wieder finden sich vermehrt Menschen in meiner Praxis ein, die der Kriegsgeneration angehören, den Krieg miterlebt haben, im Krieg geboren wurden, Kinder waren oder direkte Nachfahren der Kriegsgeneration und deren Kindern sind. Viele sind geflüchtet und somit heimatlos geworden.

 

Das ist momentan wieder unglaublich wichtig geworden, weil viele Zeitzeugen jetzt auch einfach versterben und sich weiter reduzieren. Viele wollen daher diese Teile ihres Lebens noch aufarbeiten und anders betrachten. Darüber reden und sich mitteilen.

Bei der Kriegsgeneration, also denjenigen, die während des Krieges noch Kinder waren zeigt sich vermehrt eine andere Denk- und Fühlweise. Eine, die sich abhebt von den heutigen Generationen, die glücklicherweise keinen Krieg erleben mussten.

 

In den zahlreichen Gesprächen mit den Kindern dieser Zeit, die teils um die 70+ Jahre alt sind, erkennt man, dass besonders die Väter, die den Krieg aktiv miterlebt haben, kämpfen mussten und sogar in Gefangenschaft gerieten, dass jene oft verschlossen blieben nach ihrer Rückkehr aus jener Zeit und alles versuchten mit sich selbst auszumachen, zu verdrängen und nicht weiter darüber nachzudenken, während die Frauen oftmals auf sich gestellt waren, die Kinder grossziehen und auf ihren Ehemann an ihrer Seite verzichten oftmals sogar fliehen mussten und ihr Kind unterwegs in Gefangenschaft oder auf der Flucht bekommen mussten. Daraus resultierte allerdings häufig aber zu den eigenen Kindern und der eigenen Ehefrau/dem eigenen Ehemann eine gewisse Distanziertheit, die nicht zulassen konnte über das Traumatisierende, was sie erlebt hatten zu sprechen und hielten sich mehr im Oberflächlichen und in der emotionalen Distanz/ Isolation auf, teilweise bis zur kompletten Verleugnung und einem absoluten Stillschweigen darüber, was einst geschehen war.

 

Heute sprechen diese Kinder und Kindeskinder hier über ihre Probleme und es zeigen sich wiederholende Muster, aufgegriffene und weitergelebte Überlebens-, Denk- und Fühlstrategien, die noch aus eben dieser leidvollen Zeit stammen.

 

Folgende Muster finden sich hier u.a. wieder: 

  • Scham- und Schuldgefühle, mangelndes Selbstwertgefühl
  • Gefühle von Heimatlosigkeit
  • Gestörte Mutter/Vaterrolle, keine Identifikation mit sich selbst oder der Rolle als Ehemann, Ehefrau, Vater, Mutter, usw.
  • Vertauschte Rollen, z.B.: die Kinder fühlen sich früh für ihre eigenen Eltern verantwortlich
  • Unerklärliche tiefgehende Gefühle von Trauer, Kummer und Sehnsucht
  • Wiederkehrende Gefühle von Panik, Angstzuständen, die sich teils nicht rational erklären lassen
  • Massive Bindungsstörungen
  • Schlafstörungen, Träume, die sich oft ausschliesslich mit der Vergangenheit befassen
  • Kontrollverhalten
  • Wechselbäder der Gefühle, entweder wie innerlich erstarrt oder in der absoluten Hektik verweilend
  • Unlogisch erscheinende Gefühlsausbrüche, die (manisch-)depressiv, bipolar anmuten und auch in Jähzorn und unkontrollierten Aktionen von Gewalt enden können
  • Übergrosses oder absolut gegenteiliges, also nicht vorhandenes Interesse am Krieg
  • Sexuelle Probleme, oft aufgrund eigener oder der von den Eltern, Grosseltern erlebten Missbräuche und physischer Gewalt
  • Verlustängste auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Bereichen
  • Suchtverhalten, das unterschiedlich gelagert sein kann
  • Angst vor Verlassenwerden, Zurückgelassenwerden, Zurückweisung
  • Gefühl, nicht verstanden zu werden

Hier lässt sich auch im Gespräch und im genealogischen Diskurs feststellen, was von den Themen die eigenen sind oder die fortgeführten Lebensbereiche der Eltern/Grosseltern.